„We take care“: Modellprojekt gegen sexualisierte Gewalt und Belästigung in Nachtclubs und Bars startet in Hannover

Die Initiative geht zurück auf einen Antrag von FDP, Grünen und SPD im August 2017 zur Erarbeitung von Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. „We take care“ setzt ein Zeichen für eine offene, tolerante und respektvolle Feierkultur.

Ziel ist es, eine kontinuierliche Öffentlichkeits-, Präventions- und Unterstützungsarbeit zu gewährleisten, um Grenzüberschreitungen in Clubs, Bars, auf Veranstaltung entgegenwirken zu können.„We take care“ wurde heute in Hannover vorgestellt und wird ab sofort in den beteiligten Veranstaltungsorten umgesetzt. Das Herzstück des Modellprojekts ist die interne Schulung aller Mitarbeitenden, von Thekenkräften, Türsteher*innen bis zu Garderobenmitarbeiter*innen und Techniker*innen der Beteiligten Veranstalter*innen. Die Schulungsinhalte wurden gemeinsam mit den Beteiligten des Modellprojekts konzipiert. Neben der Vermittlung von Grundlagen zum Thema sexuelle Belästigung wird bei den Schulungen, gemeinsam mit den Teilnehmenden, ein auf die Veranstaltungsorte abgestimmter Handlungsleitfaden erarbeitet. Die Auseinandersetzung mit dem Thema und die Entwicklung eines gemeinsamen Vorgehens soll bei den Mitarbeitenden zu einer emanzipatorischen und sensibilisierten Haltung und Wahrnehmung führen. Ein Imagefilm, ausführliches Informationsmaterial, Schulungen und die gezielte Bewerbung des Frauennachttaxis sind einige Maßnahmen die das Modellprojekt bereits umgesetzt hat. Studierende der Sozialen Arbeit der Fachhochschule Hannover, Fakultät V evaluieren das Modellprojekt, um die Wirksamkeit auf unterschiedlichen Ebenen feststellen und ggf. verbessern zu können.

“We take care“ vermittelt und manifestiert ein respektvolles Selbstverständnis, das die Bedürfnisse Betroffener in den Mittelpunkt stellt. Dabei werden Gäste, Mitarbeitende, unterschiedliche Institutionen und Akteur*innen aber auch Cliquen, Freund*innen und alle anderen Gäste gleichermaßen in die Verantwortung genommen, aufeinander zu achten. Mit allen Beteiligten wurde im Rahmen dieser ungewöhnlichen Kooperation ein gemeinsames Leitbild entwickelt, das sich entschieden gegen Diskriminierung jeglicher Art, insbesondere gegen sexuelle Belästigung, wendet. Das Konzept wird den unterschiedlichen Facetten von sexuellen Übergriffen gerecht: Situationsangemessenes Einschreiten, gemeinsame Verfahrensabläufe, Rückzugsorte und Unterstützung. Allein im Rahmen dieser Debatten wurde ein gutes Netzwerk zwischen verschiedenen Akteur*innen der Veranstaltungsszene geschaffen, wodurch eine fortlaufende und aktive Kommunikation stattfindet.

Der Arbeitskreis „We take care“ hat sich bewusst für ein umfassendes Konzept entschieden, das Akzente setzt und deutlich die Verantwortung aller Beteiligten in den Mittelpunkt stellt. Sexismus hängt eng mit anderen Diskriminierungsformen zusammen. Der umfassende Ansatz von „We take care“, betrachtet Sexismus nicht isoliert von z. B. Rassismus, Homophobie oder Transfeindlichkeit. Die Beteiligten sind sich der Zusammenhänge bewusst und für die entsprechenden Problematiken sensibilisiert. Sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt sind kein neues Phänomen. Jede dritte Frau hat laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte seit dem Alter von 15 Jahren eine Form des körperlichen und / oder sexuellen Übergriffs erlebt. Ein Handeln ist notwendig, um solchen Situationen entgegenzuwirken. Übergriffe im Nachtleben tragen dazu bei, dass sich Nachtschwärmer*innen bei ihren abendlichen Ausflügen unsicher und unwohl fühlen. „We take care“ setzt dem eine klare Positionierung entgegen. Gemeinsam Tanzen, gemeinsam unterwegs sein – feiern und dabei das Wohlfühlen Aller im Blick zu behalten – durch Alle.

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