„Das müssen wir erst mal flaken“.

Nach fast 30 Jahren geht Elke Flake, Regionalberaterin der LAGS in den Ruhestand. Im Oktober ist von der Mitgliederversammlung verabschiedet worden.

Mit Gesang, Reden, Geschenken und kleinen Tränen ist Elke Falke von den Mitgliedern der LAGS in den Ruhestand verabschiedet worden. Noch arbeitet sich als Beraterin für die LAGS, doch mit Ende des Jahres geht sie in den Ruhestand.

Sie hat ihre Beratungskunden über viele Jahre mit Fachwissen unterstützet, Prozesse begleitet, Transformationen beflügelt und sie hatte für alle Sorgen und Nöte stets ein offenes Ohr. In einen Buch haben die Kolleginnen Stimmen der Beratenden eingefangen. „Das müssen wir erst mal flaken“, ist eine von vielen begeisterten Stimmen der niedersächsischen Kulturschaffenden.

Lesen Sie hier die Rede, die Hanne Bangert, 1. Vorsitzende der LAGS auf Elke Flake gehalten hat.

1995 habe ich das erste Mal ehrenamtlich für einen Verein in Hannover gearbeitet. Netzwerk Lindener Kulturwerkstatt hieß das Ganze und ich war nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sondern sah mich plötzlich als Kassenbuch-Führerin für einen Kunstraum, den wir im Namen des Vereins eröffnet hatten - oh Schreck!

Es handelte sich um ein ehemaliges Sparkassen-Gebäude, alle Mitarbeitenden waren ehrenamtlich tätig, wir hatten Ausgaben für Kunstaktionen, Einnahmen durch Getränkeverkauf bei den Vernissagen, der Strom wurde uns in regelmäßigen Abständen abgestellt, weil wir ihn nicht zahlen konnten. Also alles wie immer.

Glücklicherweise hatte ich schon Marita Vornbäumen, eine damalige Beraterin von der LAGS kennengelernt und die sagte nur: „Geh zu Elke Flake!“.

Damals wusste ich noch nicht, wie oft ich genau diese vier magischen Worte sagen würde….

Und ich ging zu Elke. „Vereine und Steuern“, so hieß dieser Klassiker schon damals und mit mir saßen 10 andere Unwissende in der Bürgerschule, um sich in die Geheimnisse des Vereinssteuerrecht einweihen zu lassen.

Und ich lernte: über den Vorsteuerabzug, die verschiedenen Steuerarten, die ein Verein beachten muss, warum es gut ist, Geld für Material und Technik auszugeben, warum es schlecht ist, nicht alles alles alles aufzuschreiben, was ich einnehme und das allerwichtigste, was ich lernte:

Elke Flake hat nicht nur ein großes Wissen, das sie jederzeit jedem und jeder zur Verfügung stellt, sondern sie hat auch ein großes Herz für diejenigen, die mit Formularen und Ämtern kämpfen.

Das war nicht das letzte Seminar von Elke, das ich besucht habe (ein weiterer Klassiker, Kommunale Strategien, war mein Einstieg in die Kulturpolitik).

Elke war eine der ersten Beraterinnen der LAGS, 1981 hat sie begonnen und sich ihr Spezialgebiet, „Finanzen mit allem, was dazu gehört“, selbst erarbeitet, immer wieder überarbeitet und immer wieder aus ihren praktischen Erfahrungen heraus neue Seminare erfunden, die grundsätzlich ausgebucht sind.

Elke hat - nicht nur in ihrem eigenen Beratungsgebiet, sondern in ganz Niedersachsen - dafür gesorgt, dass kleine und große Vereine, Einzelpersonen, ganze Kommunen einen anderen Blick auf ihre Finanzen und auf ihr Verhältnis zu Förderinstitutionen und ihre PartnerInnen in Stadt, Land und Bund bekommen. „Wissen ist Macht“, so heißt es und das Wissen um die kommunalen Strukturen und um den Umgang mit Geld ist für die freie Kultur überlebensnotwendig.

Für den Verband, die LAGS, ist Elke immer diejenige gewesen, die die Bedürfnisse unserer Mitglieder und anderer freier Kulturträger an die Geschäftsstelle weitergibt und die eben diese Bedürfnisse übersetzt in kulturpolitische Forderungen.

Was Elke auszeichnet ist ihr Bedürfnis, Strukturen zu erkennen und sie gestalten zu wollen. Sie ist kritisch in alle Richtungen, ob es um den Verband, die Politik oder die Kulturvereine geht, stets hat sie einen wachen und klaren Blick und dafür können wir ihr nicht genug danken.

Manchmal denken wir, dass Menschen, die mit Zahlen jonglieren können, die so viel über Gesetze und Steuern und Verwaltungsstrukturen wissen, wenig mit den kreativen Prozessen zu tun haben können, die wir alle so lieben und schätzen.

Elke ist da eine wohltuende Ausnahme. Ihr Engagement für die Soziokultur im Land, ihre erfolgreiche Arbeit in der Brunsviga, beides entspringt einer großen Liebe zur Kultur und einem politischen Gestaltungswillen.

Elke, auch wenn du gerade deine Nachfolgerin mit der dir eigenen großen Sorgfalt und Liebe zum Detail einarbeitest - du wirst uns fehlen, mit deinem fantastischen Wissen, deiner Beharrlichkeit, deiner Kritik - auch an dem Vorstand! und auch mit deinem großen Humor.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus der großen Runde der Menschen, die Du beraten hast: egal, was wir tun, erstmal müssen wir das flaken!!

 

Alles Gute für Dich!

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