"Die Blaue Zone". Älter werden und so.

Die Blaue Zone .. Älter werden und so“

Jetzt ist es Herbst  in Hannover und der Regen prasselt auf den Andreas-Hermes-Platz. Während wir unter dem Vordach des Kulturzentrums Pavillon stehen und in den wolkigen Himmel über der benachbarten Sparkasse sehen, beginnt das Gewitter. Und wie im Stroboskop Licht flammen im Licht der Blitze die Bilder auf, von dem was vor wenigen Wochen noch hier war. Bilder der „Blauen Zone“.
„Die Blaue Zone“ - Ein Kulturcamp für Ältere, in dem es ausreichend Zeit und Anregungen gab, sich mit dem Älterwerden zu beschäftigen. In dem Wohnen, Körperlichkeit, Kunst und Kultur, Bewegung und Tanzen und ein gutes Miteinander eine prägende Rolle spielten. Ein Sommercamp mit gutem Essen, Musik, Beieinandersitzen  beim Lagerfeuer und nächtlichem Tanzen. Ein Kulturcamp für Ältere mit dem hintersinnigen Titel „Die blaue Zone“, der auf die weltweiten blauen Zonen anspielte, in denen Menschen besonders lange und glücklich leben. Zwei gelungene, glücklich machende, vernetzende, zugewandte Wochen, in denen über 350 Menschen sich intensiv und individuell mit ihren Vorstellungen vom Alter auseinandersetzten.
Jeder Morgen im Camp startete mit Bewegung im Freien, einem kostenlosen Angebot der AOK  im Stadtraum, das täglich mehr Menschen anzog. Jeder Tag endete mit einem Essen auf dem Platz oder einer der Terrassen des Campgeländes. Kreiert wurden die Speisen von der Kochgruppe, die eigentlich geplant hatte, in kleiner Workshop-Runde beschaulich zu köcheln und dann zum Großverpfleger wurde, da einfach so viele Leute kamen.
Ein Jahr Vorbereitungszeit ist der Blauen Zone vorangegangen. Das Projektteam fand sich in Küchen- und Partygesprächen, bei denen wir das gemeinsame lebendige Interesse an den gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen des Älterwerdens entdeckten. Daraus wurde ein Team mit Dörte Redmann vom Verein für Sport, Kultur und Soziales Spokusa e.V. und Hanne Bangert und Susanne Müller-Jantsch aus dem Kulturzentrum Pavillon. Hinzu kam Pia Tigges als freie Mitarbeiterin, die vom Projekt gehört hatte und sich initiativ bewarb.
Das Viererteam versammelte schon früh eine Gruppe von Älteren, mit der Themen und mögliche Programmpunkte erörtert wurden. So verwarfen wir Ideen,  die kritischer Expertise nicht standhielten und konnten aus diesem Expert*innenteam auch einige der Workshopleitungen besetzen.
Eine wichtige  Entscheidung war es, den Bau des Camps zwei jungen Architekten vom Platzprojekt zu überlassen. Benny und Robin haben monatelang mit uns gemeinsam überlegt, wie sich der Charakter der „Blauen Zone“ in einer temporären Architektur zeigen kann. Dass wir vier vom Projektteam nicht immer wussten, wohin die Gedanken der beiden Planer wandern würden, war spannend - manchmal auch schlafraubend, denn der Beginn des Camps rückte immer näher, die Gelder wurden knapper und Robin und Benny verwarfen einen Plan nach dem anderen. Irgendwann haben wir den Sprung in das Vertrauen gewagt und beschlossen, uns auf das Programm zu konzentrieren und uns darauf zu verlassen, dass wir am Ende eine passende Camparchitektur haben würden.
Und ja, es war passend, wir entdeckten das Wasser des großen Brunnen wieder, das zwar immer schon da war, durch die Architektur der ins Wasser hineinragenden Terrassen aber wieder erlebbar wurde. Erst waren wir noch besorgt über unser überbordendes Programmangebot, das dank der vielen Mitwirkenden 20 Workshops und 20 Veranstaltungen in vierzehn Tagen umfasste. Wer sollte das alles besuchen? War die Altersgruppe überhaupt willens, den Weg zum sonst unbehausten Andreas-Hermes-Platz zu nehmen und sich einzulassen auf ein sie forderndes und die Gemeinschaft förderndes Miteinander? Und ja - sie wollten, nach den ersten Tagen waren wir unbesorgt und wussten „Die Blaue Zone“ wird angenommen. Die Wohnprojektgruppe zum Thema „Wir will ich im Alter wohnen?“ wuchs auf 70 Personen an. Nach dem Projekt trifft sich jetzt eine Gruppe von über zwanzig Personen weiterhin. Das offene Atelier geht weiter, eines der Herzstücke des Programmes, als Anlaufstelle für die zufälligen und suchenden Besucher*innen. Die Tanzimprovisationsgruppe hat sich für ein Wochenende im Januar verabredet. Die Kochgruppe wird sich nun in Ruhe und in kleiner Runde treffen, um sich gemeinsam kochend zu belohnen. Die Blaue Zone war also nachhaltig wirksam. Wir haben mit der gemeinsamen Beschäftigung mit dem Alter eine Gruppe von Menschen angesprochen, die anders als alle Generationen vor ihnen, vor einer langen und aktiven Zeit des Ruhestands und des Alters stehen. Diese Zeit will gestaltet sein. Mit der „Blauen Zone“ konnten wir starke Impulse setzen, die nachwirken. Bevor es die nächste Blaue Zone in zwei Jahren geben wird, laden wir zu kleineren Zusammenkünften ein, dem Blauen Brunch oder dem Blauen Dinner, wir pflegen einen newsletter und ermutigen die Besucher*innen zur gegenseitigen Vernetzung und zur Selbstätigkeit.
Gekostet hat die Blaue Zonen 70.000 €, gefördert wurde sie durch den Bundesfonds Soziokultur, die LAGS Niedersachsen, aus Mitteln des Landes Niedersachsen und des Kulturbüro der Stadt Hannover. Längst sind hier nicht alle spannenden Details des Programmes aufgeführt, wie etwa die Tanzresidenz in einer Alteneinrichtung oder die fahrende Theaterinszenierung im Szenomobil. Gerne berichten wir bei Nachfragen ausführlich über das Projekt „Die Blaue Zone. Älter werden und so…“.

Susanne Müller-Jantsch, Hanne Bangert, Dörte Redmann
September 2017
info@die-blaue-.zone.de
www.die-blaue-zone.de

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