Eine Säule der Freien Kultur

„Stärke zieht man nicht daraus, andere auszugrenzen, sondern daraus, andere handlungsfähig zu machen. Diese Haltung hat mich an der Soziokultur immer fasziniert und das hat sich bis heute nicht verändert. Im Gegenteil. Sie ist heute wichtiger denn je. Die demokratische Kraft, die in der Soziokultur liegt, ist für unsere Gesellschaft nie so bedeutend gewesen wie heute“ sagt Gerd Dallmann.

Mit einem wunderschönen Fest hat Gerd Dallmann sich nach 30 Jahren von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen (LAGS)verabschiedet. 130 Menschen aus Politik, Verwaltung, Verbänden, aus Kunst und Kultur haben zusammen gefeiert und seine Leistungen der 30 Jahre als Geschäftsführer gewürdigt. Viele der Gäste haben sich daran beteiligt, ihm den "Dampfer" zu schenken. Eine Plastik, die über viele Jahre als Leihgabe des MWK in seinem Büro stand.

30 Jahre hat Gerd Dallmann als Geschäftsführer die LAGS entscheidend geprägt: den Verband vertrauensvoll geführt, kulturpolitisch zukunftsweisend agiert, kluge Konzepte für die Förderung der Soziokultur erarbeitet und in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur umgesetzt. Gerd Dallmann geht am 29. Juni 2018 in den Ruhestand.

„Soziokultur begeistert mich. Vorletzten Samstag beispielsweise habe ich mir in Lemwerder ein soziokulturelles Projekt in seiner Entstehung angesehen. 1.000 Meter Spundwand wurden von über 200 Künstlerinnen und Künstlern, von Schulklassen und örtlichen Vereinen mit grandiosen Bildern besprayt. Der Veranstalter, die Begu Lemwerder hat damit ein nachhaltiges Event mit Zugang für jedermann geschaffen.“ Gerd Dallmann ist viel in Niedersachsen unterwegs, um sich über die Arbeit der Kulturvereine vor Ort ein Bild zu machen und davon, wie die Landesmittel eingesetzt werden. 2 Millionen Euro stehen heute für die Soziokultur in Niedersachsen zur Verfügung. Für die Förderung von Investitionen, von Projekten und Strukturen sowie für die landesweite Beratung von Kulturvereinen und Kulturschaffenden aller Sparten. Für die ersten Soziokultur-Landesmittel Ende der 80-er Jahre hat die LAGS auf Mitgliederversammlungen die Bedarfe der Mitglieder diskutiert und dann Vorschlagslisten für das Land beschlossen. Auch aktuell vergibt die LAGS die Mittel zur Förderung von soziokulturellen Projekten und Strukturen für das Land Niedersachsen. „Heute ist es gerade in Ländlichen Räumen unerlässlich, Strukturen zu stärken. Mit der Strukturförderung hat der Verband gemeinsam mit dem Land ein Instrument entwickelt, mit dem kulturelle Grundversorgung auch in strukturschwachen Gegenden möglich wird, da mit der Strukturförderung die – wenn auch geringfügige - Förderung von Personal möglich ist. Damit unterstützt die Soziokulturförderung insbesondere ehrenamtlich getragene Vereine“, stellt Gerd Dallmann die recht neu entwickelte Strukturförderung dar. „So kann ehrenamtlich getragenes Engagement ermöglicht, qualifiziert und viel besser wertgeschätzt werden“.

Als Dallmann, damals Mitarbeiter des Pavillon Hannover, die LAGS in den 80er Jahren mit gründete, war das Ziel, die Interessen der ersten soziokulturellen Zentren in Niedersachsen auf Landesebene zu vertreten: den Pavillon in Hannover, das Pumpwerk in Wilhelmshaven, die Kulturetage in Oldenburg, die Lagerhalle in Osnabrück und die Brunsviga in Braunschweig waren die ersten Kulturzentren, die sich als Verein zusammengeschlossen haben. Heute hat die LAGS über 110 Mitglieder. „Die Gesellschaft und ihre Bedürfnisse verändern sich. Auch Soziokultur verändert sich und damit unser Verband. Als großstädtische Kultur gestartet, sind heute über die Hälfte der Mitglieder in Ländlichen Räumen. Alle gehen sehr solidarisch miteinander um.“ Deshalb gelingt es, gemeinsam mit den Mitgliedern Förderkonzepte für die Soziokultur in Ländlichen Räumen zu entwickeln, wie die Strukturförderung. Damit leistet der Verband einen wichtigen Beitrag zu den Fragen und Folgen des demografischen Wandels in Niedersachsen, stellt sich den Anforderungen einer sich wandelnden Bevölkerung und ermöglicht kulturelle Partizipation.

„Wir unterstützen die Kulturschaffenden in ihrem Handeln und planen Kultur nicht am grünen Tisch. Der Soziokultur ging es nie im kulturelle Leuchttürme, die kulturelle Infrastruktur in der Fläche und den Städten und um die Teilhabechancen für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen." Soziokultur ist entstanden aus dem Bedürfnis, selbst kulturell tätig zu werden und das eigene Lebensumfeld kulturell zu gestalten. Um die Kulturschaffende hierin zu unterstützen hat der Verband unter Gerd Dallmann Anfang der 90er Jahre die LAGS-Regionalberatung entwickelt. Heute beraten 5 Kulturberaterinnen und Berater jeweils mit einer halben Stelle Kulturschaffende aller Sparten, die Freie Kulturszene in ganz Niedersachsen zu allen Fragen des Kulturmanagements. „Wir haben uns immer als Unterstützer aller Kulturschaffenden verstanden – sowohl was das Beratungskonzept als auch die Förderung betrifft. Beides ist offen für alle, die in der Kultur für Partizipation und Teilhabe sorgen."

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