10 Jahre Lewer Däle

Der Kulturverein im nördlichen Harzvorland feiert 10 Jahre Engagement

In der kleinen Gemeinde Liebenburg am nördlichen Rand des Harzes haben sich vor 10 Jahren aus dem „Kleinen Chor Liebenburg“ heraus Menschen gefunden, die aus einem leerstehenden Kindergarten auf dem Gelände der Kirche etwas Schönes machen wollten. Irgendetwas mit Kultur. Und das, obwohl bzw. weil es noch nicht mal ein Dorfgemeinschaftshaus gibt. Und dann, kaum zwei Jahre später, stand der Chor im April 2009 in der vollen Kirche St. Trinitatis und besang die Einweihung des Kultur- und Bürgertreffs Lewer Däle.

Das Credo des Vereins:
Wir machen Kultur auf der Nebenstrecke!
Wir bringen Menschen zusammen!
Wir machen Lust auf kreative Ideen!
Wir arbeiten ehrenamtlich!
Wir erhalten die kulturelle Vielfalt auf dem Land!

Dass die Liebenburger und auch die Menschen aus den umliegenden Gemeinden diesen Kulturort wollen und brauchen, zeigt sich an den vielen Mitgliedern, dem großen ehrenamtlichen Engagement und an den sehr gut besuchten Veranstaltungen. Auch beim traditionellen Kirschblütenfest, dem Tag, an dem sich die Liebenburger feiern, geben alle alles. Trotz dicker grauer Wolken findet die Feier vor allem draußen statt, mit Grill und Kuchen, Ständen mit Selbstgemachtem, Kinderangeboten und Livemusik, die von drinnen nach draußen schallt. Die grauen Wolken zogen ungeregnet weiter.

Soziokulturelle Vereine nehmen in Ländlichen Räumen eine immer wichtigere Rolle ein, denn der Bedarf nach neuen Orten für Kommunikation und Begegnung wächst enorm, da die traditionellen Strukturen sich verändern und die gewachsene dörfliche Infrastruktur immer weiter schwindet. Das Landleben verändert sich rasant. Im Zuge des demografischen Wandels sterben die kleinen Geschäfte aus, die Dorfgaststätten schließen. Es gibt im Alltag nur noch wenige Orte, an denen man sich begegnen und das Zusammenleben gestalten kann. Vereine, die sich für ein gelungenes Zusammenleben stark machen, wie die „Lewer Däle“, haben stetigen Mitgliederzuwachs.

Den Verein „Lewer Däle“ gibt es, weil Menschen im Ort Lust hatten, etwas für sich und ihre Gemeinde zu tun und möglichst viele Menschen in die Gestaltung des Zusammenlebens einzubeziehen. Stärke zieht man nicht daraus, andere auszugrenzen, sondern daraus, andere handlungsfähig zu machen. Mit dieser Haltung arbeitet Soziokultur. Mit dieser Haltung arbeitet die Lewer Däle. Hier gibt es Angebote aller Couleur. Und angeboten wird das, was die, die sich engagieren, können und mögen. Seit Mai 2009 sind die Türen fast immer offen.

Dafür braucht es Engagement-Motoren wie Ursula Henk-Riethmüller, die Gründungsmitglied und 1. Vorsitzende ist, und es baucht all die anderen engagierten Menschen. Nun steht der Generationenwechsel an, Ursula Henk-Riethmüller ist über 70 und denkt ans Aufhören. Es geht um die Frage der Zukunft des Vereins. Die Lewer Däle hat über mehrere Jahre die Strukturförderung des Landes erhalten und konnte damit über einen Minijob etwas Entlastung in den alltäglichen Aufgaben und im Ehrenamtsmanagement ermöglichen. Die Strukturförderung, die der Landesverband Soziokultur vergibt, ist in der Regel auf drei Jahre begrenzt. Wie für viele andere Vereine auch ist es für die Lewer Däle schwer, von der Kommune Mittel zu erhalten, die Mitarbeiter langfristig finanzieren, weil die Kulturetats dafür häufig viel zu klein sind. Der Landesverband Soziokultur setzt sich dafür ein, dass die Möglichkeiten einer Strukturförderung aus Landesmitteln ausgebaut werden, denn das ehrenamtliche Engagement verändert sich stark. Die Menschen, die sich langfristig und mit vielen Stunden engagieren, werden weniger. Das bildet sich im Freiwilligen Survey ab und das spüren die Vereine vor Ort deutlich. Doch für gelingendes Engagement, gerade in Ländlichen Räumen, braucht es Schlüsselpersonen - Engagement-Motoren; sie übernehmen wichtige Funktionen wie die Koordination und Steuerung von Engagement und weitere grundlegende Aufgaben, die zum Gelingen des Engagements führen und damit auch für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land sorgen. Um auch weiterhin gut für das Dorf und die Region arbeiten zu können, plant der Verein einen Runden Tisch mit allen Fördermittelgebern, um gemeinsam zu überlegen, wie der Verein in die Zukunft geführt werden kann.

 

Zurück

Wir verwenden Cookies für statistische Zwecke. Mehr ›