Das ist Soziokultur

Vielfalt. Aus Prinzip.

Soziokultur kurzgefasst:

  • Soziokultur will Kultur und Gesellschaft in engen Zusammenhang stellen.
  • Soziokultur ist Kulturpraxis, die auf einen freien Zugang für eine breite NutzerInnenschicht angelegt ist.
  • Soziokultur geht davon aus, dass jede(r) Kultur hat und diese aktiv mitgestalten kann.
  • Soziokultur darf nicht auf Kunst eingeengt werden, sondern ist Medium zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft und politischer Einflussnahme.
  • Soziokultur ist keine Sozialkultur, denn sie reduziert sich nicht auf die Behebung gesellschaftlicher Defizite.
  • Soziokultur ist Vielfalt aus Prinzip!

 

Hier ein Video dazu, was Soziokultur ist (1:15 Min.|2010):

 

In den 1970er Jahren forderte Hermann Glaser, dass jegliche Kultur Soziokultur sein solle. Seither ist der Begriff der Soziokultur nicht eindeutiger geworden, er entzieht sich der Abgrenzung und genauen Definition. Umso lebendiger und konkreter ist die dahinter stehende Kulturarbeit.

Unter Soziokultur versteht man die Summe aus allen kulturellen, sozialen und politischen Interessen und Bedürfnissen einer Gesellschaft beziehungsweise einer gesellschaftlichen Gruppe. Der Begriff Soziokultur beschreibt aber auch eine kulturelle Praxis mit starkem Gesellschaftsbezug, die sich auf sehr verschiedene Weise realisieren kann, immer entlang der aktuellen lokalen Bedürfnisse und Gegebenheiten. Diese Soziokultur ist ausgerichtet auf eine enge Verknüpfung des Alltagslebens der Menschen mit Kunst und Kultur und bietet mehr als eine „reine“ elitäre Kunstförderung. Sie verkörpert andererseits aber keine Bewegung gegen die Kunst, sondern setzt auf die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen mit künstlerischen und kulturellen Mitteln. Der alte Gegensatz zwischen Soziokultur und Hochkultur ist heute weitgehend überholt.

Den Kernbereich soziokultureller Praxis bilden Aktivitäten von freien Kulturgruppen, soziokulturellen Zentren, Jugendkunstschulen, freier Theaterensembles, kultureller Kinder- und Jugendarbeit, Geschichtswerkstätten, Interkulturprojekten und Stadtteilkulturarbeit. Sie sind eine unverzichtbare Ergänzung der kulturellen Angebote traditioneller Kulturinstitutionen.

Soziokulturelle Aktivitäten sind vorrangig darauf ausgerichtet, die kreative Selbsttätigkeit möglichst vieler Menschen und breiter Bevölkerungsschichten (unabhängig von ihrer sozialen oder nationalen Herkunft) zu fördern (z.B. durch Bereitstellung von Infrastruktur, Förderung künstlerischer Fähigkeiten, Vermittlung von Kenntnissen, Präsentation von nicht Marktgängigem) und den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern (z.B. durch Wohnortnähe, niedrige Eintrittspreise und Abbau von Hemmschwellen). Diesen und ähnlichen Zielen fühlen sich vor allem diejenigen Einrichtungen und Initiativen verpflichtet, die sich als Soziokulturelle Zentren bezeichnen.

Die Soziokultur umfasst auch weite Bereiche der kulturellen Bildung, insbesondere der kulturellen Kinder- und Jugendbildung, der Kulturpädagogik, der Frauenkultur, der Seniorenarbeit, der Nachbarschaftshilfe etc., die ihren Platz nicht nur, aber auch gerade in Soziokulturellen Zentren haben.
Wenige Länder und auch Landesarbeitsgemeinschaften sehen heute noch einen Gegensatz zur so genannten „Hochkultur“ und siedeln die Aufgaben soziokultureller Zentren explizit außerhalb der etablierten Kunst- und Kultureinrichtungen an.

Soziokulturelle Zentren sind in den vergangenen 30 Jahren als selbstverwaltete Kultur- und Kommunikationszentren in vielen Orten der (alten) Bundesrepublik entstanden. Sie zeichnen sich aus durch spartenübergreifende Veranstaltungsprogramme und Projekte, künstlerische und kreativitätsfördernde Angebote sowie selbstorganisierte Aktivitäten von Gruppen. Neben den soziokulturellen Zentren hat sich in den letzten Jahren eine Vielfalt von soziokulturellen Initiativen und Vereinen entwickelt, die mit, neben oder auch in den Zentren tätig sind.

Soziokultur ermöglicht Partizipation Soziokulturelle Zentren und Vereine bieten ohne Zugangsschwellen vielen Menschen die Möglichkeit, an den Entwicklungen und Debatten der Stadt- und Zivilgesellschaft ebenso wie an deren kulturellem Leben teilzunehmen; dabei meint Zugangsmöglichkeit nicht nur die Präsenz und Erreichbarkeit der Angebote, sondern auch die Chance, sich Kompetenzen für eine selbstbewusste Teilhabe anzueignen. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, aber auch für Migranten oder Menschen, die in unterschiedlicher Weise benachteiligt oder gehandikapt sind.

Soziokultur bietet Infrastruktur Soziokulturelle Zentren sind offen für eine selbstorganisierte Nutzung durch Künstlergruppen, Bürgerinitiativen, Vereine und andere gesellschaftliche Gruppierungen; sie bieten diesen neben räumlicher und technischer Infrastruktur auch Zusammenarbeit und Unterstützung an; auf diese Weise übernehmen sie Verantwortung für die Förderung künstlerischen Nachwuchses ebenso wie für gesellschaftliche Innovation.

Soziokultur initiiert Kommunikation Soziokulturelle Zentren nennen sich selbst häufig Kultur- und Kommunikationszentrum; sie organisieren Begegnungen zwischen Menschen, schaffen Anlässe für Debatten über Kunst, Kultur und Fragen des Zusammenlebens und bilden Netzwerke mit Institutionen und Initiativen aus dem Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich.

Soziokultur stellt Öffentlichkeit her Soziokulturelle Zentren und Vereine sind ein Medium der Selbstverständigung unserer Zivilgesellschaft wie Zeitungen, Rundfunk oder Internet; sie bieten eine Plattform, auf der unterschiedliche Gruppen und Initiativen ihre Anliegen darstellen und in den öffentlichen Diskurs einbringen können.

Diesen Artikel haben wir von der Seite unseres Dachverbands, der Bundesvereinigung Soziokulturelle Zentren geliehen. Dort finden Sie mehr über die Geschichte der Soziokultur und über die Arbeit Soziokultureller Zentren. Weiter lesen ...