An der Waage machen Familien die Nagelprobe

Brelingen. Wer sich auf die neuste Ausstellung im Kulturverein Brelinger Mitte einlässt, bekommt es mit starken Frauen zu tun. Bis zurück auf die Großmüttergeneration reicht die Schau. Sie illustriert das arbeitsreiche Leben von Frauen durch die Jahrzehnte und wirft zugleich einen Blick nach vorn. Der erste Aktionstag vor der Brelinger Mitte am 8. März nahm das Datum 100 Jahre Weltfrauentag zum Anlass. Die Ausstellung läuft aber bis Ende März und setzt den Auftakt für das neue Kulturprogramm bis Juli.

Frauen lebten Selbstständigkeit

Mehrere Frauen aus Wedemärker Dörfern haben dazu mit Fotos und Lebensgeschichten aus ihrer Familienhistorie die Schau „Porträts im Wandel der Zeiten – meine Omas, meine Mutter und ich“ zusammengestellt. „Es waren starke Frauen, die ihre Selbstständigkeit lebten – und leben mussten“, sagt die Vorsitzende des Kulturvereins, Bettina Arasin. Ein Blick etwa in die Vita einer Großmutter aus den Jahrgängen ab Ende des 19. Jahrhunderts lässt staunen, wie diese Frauen nicht nur für Haushalt und Familie sorgten, sondern auch in der Landwirtschaft oder in der Küche der Gastwirtschaft Arbeitseinkommen erwirtschafteten.

Männliche Besucher erwünscht

Und was ist heute, was wird morgen? Unbedingt auch für männliche Besucher bietet die Ausstellung eine Nagelprobe. Dort dürfen sie an einer alten Waage überprüfen, wie ausgewogen in ihrer eigenen Familie Belastungen und Pflichten verteilt sind. In die Waagschalen werfen darf jeder Mann und jede Frau nach eigener Einschätzung leichte und schwere Gewichte für Haushalt, Kochen, Kinderbetreuung, Homeoffice, Homeschooling, auch Ehrenamt, Pflege von Angehörigen und Beruf.

„Als nächsten Schritt wollen wir wissen: Was wünschen wir alle uns für die Zukunft?“, sagt Lisa Sacht vom Kulturverein. Das dürfen die Besucher auf einer Wandzeitung frei weg notieren. „Wir wollen den Wert der Familienarbeit und der Care-Arbeit noch einmal betonen“, sagt sie. Es gelte, Familienarbeit – ob von Frau oder Mann geleistet – gesellschaftlich als echte Arbeit zu verankern, in Konsequenz auch mit Rentenanspruch. Dem Kulturverein sei es wichtig, die politische Kraft und das Dasein der Frau in den Mittelpunkt zu stellen, ergänzt Arasin. Aber: „Frauenemanzipation geht nicht ohne Mann.“

Ausstellung ist im Flur zu sehen

Die Ausstellung ist im Flur der Brelinger Mitte zur Poststelle an der Marktstraße zu sehen, und zwar zu den neuen Öffnungszeiten des Büros montags und dienstags sowie donnerstags, freitags und sonnabends von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 8.30 bis 10.30 Uhr.

Text: Ursula Kallenbach

Quellenangabe: Burgwedel/Isernhagen vom 09.03.2021, Seite 3

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