Kulturpolitische Transformationen

Folgendes schreibt der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dr. Tobias J. Knoblich, zum Begriff der Transformation innerhalb seiner Grußworte zum Jahresauftakt:

Die Transformation ist das zentrale Jahresthema der Kulturpolitischen Gesellschaft. Wir erleben derzeit rasante gesellschaftliche Umbrüche, die auch vom Kulturbereich aufgegriffen werden müssen. Megatrends wie die Globalisierung, Digitalisierung oder Individualisierung verändern die Grundlagen unseres Miteinanders und forcieren einen Kulturwandel, der auch das vorherrschende Kunst- bzw. Kulturverständnis beeinflusst. Viele althergebrachte Selbstgewissheiten müssen in der digitalen Netzwerkgesellschaft auf die Probe gestellt und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig führen Klimakrise und anhaltende Migrationsbewegungen zu weitreichenden Differenzen und neuen Konflikten in unserer Gesellschaft. Wir leben inmitten kosmopolitischer Offenheit und ethnopluralistischem Abschottungsdenken – es gilt, die Besonderheiten unserer liberalen Demokratie gegen einen aufkeimenden Rechtspopulismus zu verteidigen! Daran anknüpfend ist festzustellen, dass uns unser historisches Unrecht bei der Aneignung von Kulturgütern einholt und neue Formen eines ›Weltkulturgedächtnisses‹ Geltung beanspruchen.

All das betrifft die Grundfesten, auf denen auch der Kulturbetrieb gründet. Sind wir dabei der Fels in der Brandung oder die Kreateure des Wandels? Schon der Name unseres neuen Zukunftspreises, den wir 2021 zum ersten Mal vergeben werden, beantwortet diese Frage nach vorn gewandt: Er heißt KULTURGESTALTEN. Guillaume Paoli, eine Zeit lang Hausphilosoph am Leipziger Theater, spricht in seinem Essay »Die lange Nacht der Metamorphose« (2017) von einer grundlegenden Transformation des Menschen, die im Gange sei. Veränderungen betreffen auch unseren Umgang mit den Dingen. Philipp Blom meint in seinem Text »Das große Welttheater« (2020) folgerichtig, wir bräuchten in Anbetracht der neuen Herausforderungen auch neue gesellschaftliche Erzählungen und Bilder – Bilder, die uns helfen, alternative Zukunftsformen zu imaginieren. Begreifen wir diese Entwicklungen als Herausforderung, die die Kulturpolitik zum Nachdenken und Handeln zwingt! Mit unserer Essayreihe #neueRelevanz haben wir bereits begonnen, eine »Kulturpolitik der Transformation« zu umreißen – ausgehend von der Coronakrise, die uns einmal mehr die Transformationsbedarfe im Kulturbereich vor Augen führt.

Diesen Auftakt werden wir 2021 in Projekten, Bündnissen und der Erarbeitung der Grundlagen für unsere programmatische Erneuerung intensiv fortsetzen.

Hier geht es zur Netzseite der Kulturpolitischen Gesellschaft.

 

Quelle: Dr. Tobias J. Knoblich (KuPoGe)

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