Wo konnten Ansätze der „Neuen Kulturpolitik“ überzeugen und was haben sie bewirkt? Wie lassen sich im Geist der Neuen Kulturpolitik aktuelle kulturpolitische Herausforderungen bewerkstelligen? War für die „Neue Kulturpolitik“ das Bild der „aktivierenden Kulturpolitik“ paradigmatisch, so scheint heute angesichts der rasanten Entwicklung (Digitalisierung, globale Konflikte) eher das Bild einer „adaptiven Kulturpolitik“ angemessen. Was bedeutet das konkret für Programmatik und Akteure?
Die „Neue Kulturpolitik“ bezeichnet einen Ansatz, der in den 1970er Jahren in Deutschland Kultur nicht mehr nur als Förderung von Hochkultur (wie Theater, Oper, Museen) verstand, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie zielte darauf ab, kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsschichten zu ermöglichen und Kultur als Mittel zur sozialen Integration, Bildung und demokratischen Partizipation zu fördern. Dabei standen Themen wie kulturelle Bildung, Unterstützung der freien Kulturszene und die Berücksichtigung interkultureller Aspekte im Mittelpunkt.
Die Evangelische Akademie Loccum war mit ihren Kulturpolitischen Kolloquien zu Beginn der 70er Jahre zentraler Ort der Aushandlung einer Neuen Kulturpolitik. Hier entstand auch die Idee einer „Kulturpolitischen Gesellschaft“ als Verband, der die politischen Ziele vorantreibt. Die Gründung erfolgte dann 1976 in Hamburg.
Heute, 50 Jahre später, steht die Kulturpolitische Gesellschaft vor der Herausforderung, ein neues Grundsatzprogramm zu formulieren – viele politischen Ziele sind erreicht (z.B. Etablierung von Soziokultur), andere erwiesen sich als utopisch oder zumindest als undifferenziert („Kultur für alle“) und werden seit einigen Jahren, berechtigt oder nicht, kritisiert („Von Allem zu viel und überall das Gleiche“). Zudem gilt es heute, kulturelle und gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern, die vor 50 Jahren nicht bedacht wurden oder noch nicht bedacht werden konnten. Stichworte wären hier: Digitalisierung, Postkolonialismus, Nachhaltigkeit, finanzielle Kürzungen im Kulturbereich, rechtspopulistische Instrumentalisierungen etc. Es ist daher, nicht nur für die Kulturpolitische Gesellschaft e.V., Zeit, darüber nachzudenken, wie aus einer „Neuen Kulturpolitik“ eine Kulturpolitik der Resilienz werden kann.
Sie sind herzlich zur Diskussion eingeladen!
Dr. Albert Drews, Tagungsleiter, Ev. Akademie Loccum
Prof. Dr. Markus Hilgert, Präsident, Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
Prof. Dr. Julia Koll, Direktorin, Ev. Akademie Loccum
Mehr Informationen, Quelle und Anmeldung: https://www.loccum.de/tagungen/2608/
