Bündnis freie Kultur Oldenburg zur Haushaltsaufstellung 2026 der Stadt Oldenburg

Mit großem Entsetzen und tiefem Unverständnis blickt das Bündnis freie Kultur Oldenburg auf den zur Verabschiedung anstehenden Haushalt 2026 der Stadt Oldenburg. Der vorliegende Haushaltsentwurf steht für einen politischen Kurs, der auf kurzfristige Einsparungen setzt und dabei zentrale gesellschaftliche Aufgaben und selbst gesetzte Leitbildentscheidungen aus dem Blick verliert. Notwendige Mittel werden nicht mehr eingeplant, beschlossene Vorhaben infrage gestellt. Diese Entwicklung gefährdet tragende Strukturen der Stadtgesellschaft.

Das Bündnis freie Kultur Oldenburg besteht seit 2023. Es ist ein Zusammenschluss freier Kultureinrichtungen, der sich im Zuge der neuen Kulturförderrichtlinie der Stadt gegründet hat. Ziel des Bündnisses ist es, gemeinsam Verantwortung für eine nachhaltige kulturelle Grundversorgung zu übernehmen, sich zu vernetzen und im Dialog mit Politik und Verwaltung an zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Bündnis freie Kultur Oldenburg ausdrücklich solidarisch mit den Sozial- und Umweltinitiativen in Oldenburg. Die aktuelle Haushaltsaufstellung betrifft nicht nur den Kulturbereich, sondern schwächt zivilgesellschaftliche Arbeit. Als Bündnis setzen wir uns für nachhaltige Strategien ein – ökologisch, sozial, ökonomisch und kulturell. Diese Grundhaltung endet nicht an Spartengrenzen. Nachhaltige Verfahrensweisen, langfristige Planung und gesellschaftliche Verantwortung sind auch in sozialen und ökologischen Bereichen unverzichtbar und in hohem Maße unterstützenswert.

Besonders irritierend ist der Widerspruch zwischen politischen Zielsetzungen und der tatsächlichen Haushaltsplanung. Nachhaltigkeit wird beschworen, gleichzeitig aber genau jene Strukturen geschwächt, die diese Ziele in der Praxis tragen. Wer heute an Kultur, sozialen Netzwerken und ökologischen Initiativen spart, nimmt billigend in Kauf, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt verloren geht und zukünftige Herausforderungen nicht mehr bewältigt werden können.

Kultur ist kein verzichtbarer Luxus und kein nachrangiger Haushaltsposten. Sie schafft Räume für Austausch, Teilhabe, Bildung und kritische Auseinandersetzung. Kultur ermöglicht Begegnung über soziale, politische und kulturelle Unterschiede hinweg und stärkt damit den demokratischen Diskurs. Sie fördert Meinungsvielfalt, reflektiertes Denken und gesellschaftliche Beteiligung. Gerade vor dem Hintergrund eines zunehmenden gesellschaftlichen Rechtsrucks und wachsender Polarisierung ist diese demokratiefördernde Kraft der Kultur unverzichtbar. Eine Stadt, die diese Strukturen strukturell schwächt, schwächt damit auch ihre demokratische Substanz.

Wir fordern den Rat der Stadt Oldenburg nachdrücklich auf, den eingeschlagenen Kurs zu überdenken. Es braucht Planungssicherheit, Verlässlichkeit und den ernsthaften Willen, nachhaltige Stadtentwicklung gemeinsam mit den Akteur:innen vor Ort zu gestalten. Ein Haushalt, der zentrale zivilgesellschaftliche Bereiche strukturell schwächt, ist kein zukunftsfähiger Haushalt.

Am 9. Februar entscheidet der Rat über den Haushalt 2026. Diese Entscheidung wird weitreichende Folgen haben – für die kulturelle Vielfalt, für soziale Strukturen und für die ökologische Zukunft dieser Stadt. Wir appellieren an die Ratsmitglieder, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und den Haushalt so auszurichten, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt, demokratische Teilhabe und nachhaltige Entwicklung auch künftig möglich bleiben.

Das Bündnis freie Kultur Oldenburg besteht aus:

Klangpol – Netzwerk Neue Musik Nordwest e.V. theater wrede + Oldenburger Computer Museum e.V. Wilhelm 13 kreativ:LABOR theater hof/19 Kulturetage gGmbH Medienbüro e.V. Blauschimmel Atelier e.V. Cine K GbR Werkschule e.V. Limonadenfabrik & Theater Laboratorium Oldenburger Kunstschule BBK Oldenburg Jugendkulturarbeit e.V.

Globe e.G

Stellungnahmen der betroffenen Einrichtungen von der geplanten Haushaltsaufstellung:

Globe e.G:

„In dem vorliegenden Haushaltsentwurfist keine Förderung der Kulturgenossenschaft GLOBE vorgesehen. Das über 70 Jahre alte ehemalige britische Truppenkino in Neu-Donnerschwee wird in diesem Jahr in eingeschränkter Form seinen Spielbetrieb aufnehmen. Weiter notwendig sind Investitionen vor allem in die Bühnen- und Ausstattungstechnik. Dafür liegen beantragte Fördermittel bei der "Kulturinvest" der Bundesregierung bereit. Jeder von der Stadt geförderte Euro im GLOBE könnte auf diese

Weise verdoppelt werden und entsprechend Kapital und Nachfrage in die Stadt bringen. Der Haushaltsentwurf widerspricht damit den eigenen Interessen der Stadt Oldenburg.“ (Rudolf Mintrop/Vorstand Globe e.G)

 

Werkschule e.V.

„Erstmals seit über 15 Jahren hat die Werkschule e.V. eine Erhöhung der Projektmittel für die Internationalen Keramiktage beantragt. Dieser Schritt ist angesichts massiv gestiegener Kosten und eines Kaufkraftverlusts von über 45 % dringend erforderlich, um die Qualität und internationale Bedeutung der Veranstaltung dauerhaft zu sichern.

Mit großer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass dieser Antrag trotz klarer Faktenlage abgelehnt wurde. Diese Entscheidung ignoriert nicht nur die wirtschaftliche Realität, sondern gefährdet bewusst die Zukunft einer kulturell herausragenden Veranstaltung, die Oldenburg seit Jahrzehnten prägt. Die Internationalen Keramiktage sind nicht nur ein international anerkannter Keramikmarkt, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, der öffentlichen Zugang zu Kunst und hochwertigem Handwerk ermöglicht und Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenführt.

Ohne eine zeitgemäße Anpassung der Mittel können zentrale Aufgaben – internationale Ausrichtung, professionelle Präsentationen und die Förderung junger Talente – nicht mehr im bisherigen Umfang gewährleistet werden. Die Veranstaltung würde damit weiter substantiell geschwächt.

Wir appellieren eindringlich an Sie:

Überprüfen Sie diese Entscheidung und setzen Sie sich für eine angemessene finanzielle Grundlage ein. Die Internationalen Keramiktage sind ein kulturelles Aushängeschild Oldenburgs – und ihre Zukunft liegt in Ihrer Verantwortung.“ (Nicola Heppner, Geschäftsführung Werkschule e.V.)

BBK Oldenburg:

"Der BBK Oldenburg sieht sich durch die finanziellen Kürzungen der Stadt in seiner kulturellen Arbeit existentiell gefährdet." (Andreas Engelmann, Vorstand BBK)

Kulturetage gGmbH

„Dass die notwendige Investitionsförderung in Höhe von 80.000 Euro nicht in den Haushalt aufgenommen wurde, trifft die Kulturetage schwer. Dringend erforderliche Erneuerungen

unserer veralteten Hallentechnik können damit nicht umgesetzt werden. Besonders gravierend ist, dass durch diesen Beschluss bereits zugesagte Landesmittel in erheblicher Höhe verloren gehen.“ (Bernt Wach, Geschäftsführer Kulturetage gGmbH)

 

Ernährungsrat Oldenburg

„Trotz bestehendem Zuwendungsvertrag, der Sicherheit über vier Jahre geben sollte, soll die Förderung des Ernährungsrats Oldenburg bereits nach einem Jahr von 103.950 Euro auf 50.000 Euro halbiert werden. Die Kürzung gefährdet unsere Arbeit akut. Als wichtiger Akteur bei der Umsetzung der städtischen Ernährungsstrategie und des Ziels der Klimaneutralität bis 2035 ist der Ernährungsrat kein freiwilliges Zusatzangebot, sondern unverzichtbar für Klimaschutz, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und regionale Wertschöpfung.“ (Judith Busch, Koordinatorin, Ernährungsrat Oldenburg)

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